Page 11 - Aarauer Woche - KW 20 - 2026
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FREITAG, 15. MAI 2026                                                                                                                                        SEITE 11






           Schoop

                   Unsere Werte sind mir nicht wurst






            Wenn auf dem Grill keine Schweins-
            bratwürste mehr liegen dürfen,
            damit sich garantiert keine auslän-
            dische Person daran stört, stellt sich                                                Wenn das Mass
            zwingend die Frage: Wer passt sich
            hier eigentlich wem an?!                                                                verloren geht

            Neulich erzählte mir ein Mitarbeiter
            von der Schulfeier seines Sohnes. Ein                                              Wie viel Veränderung verträgt ein Land,
            typischer Anlass, bei dem Kinder, El-                                              bevor es sich selbst nicht mehr wieder-
            tern und Lehrer gemeinsam feierten.                                                erkennt?
            Auf dem Grill lagen Würste für alle.
                                                                                               Auf dem Weg zu einer 10-Millionen-
            Wirklich für alle? Nein, nicht für jene,                                           Schweiz stellt sich genau diese Frage.                                Bild: zVg
            die gerne eine Cervelat oder eine                                                  Und sie ist entscheidend für die Zukunft   Christoph Riner ist Kaufmann und
            Schweinsbratwurst gegessen hätten.                                                 unseres Landes. Die Nachhaltigkeitsini-   wohnt in Zeihen AG. Er wurde 2023
            Man wolle Rücksicht auf Minderhei-                                    Bild: zVg    tiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz,   für  die  SVP  in  den  Nationalrat  ge-
            ten nehmen. Minderheiten also, für      Dr. Adrian Schoop ist Unternehmer und      über die wir am 14. Juni 2026 abstim-     wählt und ist dort Mitglied der Staats-
            die man allen Ernstes Geflügelwürste    FDP-Grossrat im Kanton Aargau.             men,  ist  eine  Richtungsentscheidung,   politischen Kommission. Zuvor war er
            herbeischafft. Die Mehrheit hat sich                                               gerade auch für kommende Generati-        von 2009 bis 2023 Mitglied des Aar-
                                                                                                                                         gauer Grossen Rates und in verschie-
            anzupassen, Punkt. Da stellt sich eine                                             onen.                                     denen Kommissionen tätig. 2016 war
            einfache Gegenfrage: Würden in Al-                                                                                           er Präsident der Einbürgerungskom-
            gier, Damaskus oder Kabul aus Rück-          Integration braucht einen             Die  Veränderung  ist  längst  Realität,   mission des Grossen Rates.
            sicht  auf Schweizer Immigranten              gemeinsamen Nenner                   nicht nur in Zahlen, sondern im Alltag.
            Schweinsbratwürste auf dem Grill lie-  Die Schweiz ist ein offenes Land. Men-      Aus Wiesen werden Überbauungen, aus
            gen? Wohl kaum. Dieses Beispiel zeigt  schen aus vielen Kulturen leben hier.       Ruhe wird Dichte, aus Vertrautem wird
            Auswüchse einer Willkommenskultur,  Sie  arbeiten  zusammen,  ihre Kinder          Tempo. Und oft merkt man den Verlust  Während wenige profitieren, trägt die
            die an Selbstaufgabe grenzt.           gehen in dieselben Schulen. Das funk-       erst, wenn er bereits passiert ist.     breite Bevölkerung die Folgen , Pendler, Fa-
                                                   tioniert im Alltag nicht schlecht, wird                                             milien, Wohnungssuchende, Gemeinden.
                 Die Legende vom Einzelfall        aber zunehmend schwieriger. Der ge-         Auch mit der Initiative könnten jährlich
            Während im Frühjahr und Sommer  meinsame Nenner ist unsere Sprache,                weiterhin rund 40'000 Menschen in die  Die Schweiz ist klein. Gerade deshalb
            Cervelats und Bratwürste regelmäs-     unsere Regeln, unsere Traditionen und       Schweiz einwandern. Es geht aber da-    wirken Veränderungen hier schneller
            sig für rote Köpfe sorgen, sind es in  Gepflogenheiten. Sie sind das Ergeb-        rum, wieder ein Mass zu finden, das un-  und stärker als anderswo. Was aus dem
            der Adventszeit  die Weihnachtslie-    nis einer erfolgreichen Geschichte,         ser Land tragen kann.                   Gleichgewicht gerät, lässt sich nicht ein-
            der. Weil sie nicht alle Kulturen an-  die unser Land stabil, frei und wohlha-                                             fach ausblenden.
            sprechen, werden sie aus falsch  bend gemacht hat.                                 Wie lange kann Wachstum gut gehen,
            verstandener Rücksicht bei Schulfei-                                               wenn das Gleichgewicht verloren geht?  Ein Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative ist ein
            ern angepasst oder gleich gestrichen,  Wer in ein Land kommt, bringt seine         Wegschauen ist keine Lösung.            pragmatischer und vernünftiger Schnitt.
            so wie in Wil/SG. Das Muster zeigt  Kultur mit. Aber klar ist, dass sich die                                               Es ist ein Innehalten. Ein Moment, um
            sich auch anderswo. Da gibt es El-     Zugewanderten mit unseren Gepflo-           Wohlstand ist in der Debatte das Wort  das Mass wiederzufinden, das verloren
            tern, die ihre Töchter vom Schwimm-    genheiten abzufinden haben. Wem             der Stunde. Wohlstand ist mehr als ein  gegangen ist. Weiter wie bisher? Sollen
            unterricht dispensieren lassen und  das nicht passt, darf auf unsere ver-          dickes Bankkonto. Wohlstand heisst Si-  kommende Generationen unser heuti-
            bereit sind, dafür bis vor Bundesge-   fassungsmässige und gesetzgeberi-           cherheit im Alltag, funktionierende  ges Nichthandeln ausbaden?
            richt zu ziehen. Und es gibt Eltern, die  sche Grosszügigkeit zählen: Es steht     Infrastruktur, intakte Natur, stabile Ge-
            ihren Knaben verbieten, den Lehrerin-  allen frei, unser Land zu verlassen und     meinden und eine lebendige Kultur.  Es geht nicht um Parteipolitik, es geht
            nen die Hand zum Unterrichtsbeginn  sich dort anzusiedeln, wo es ihnen ge-         Wenn diese Grundlagen immer mehr  um unser Land, um unsere Zukunft.
            zu schütteln.                          fällt. Die Hauptverantwortung für In-       unter Druck geraten, verliert Wohlstand
            Für sich genommen ist das alles wenig  tegration liegt bei denen, die neu zu       seine Substanz.                         Ich stimme JA, weil ich will, dass die
            bedeutend. Reflexartig winken des-     uns kommen. Wenn wir aufhören, den                                                  Schweiz sich selbst nicht verliert.
            halb die Woken und Gutmenschen  Eingewanderten dies klar und deutlich              Die Realität erleben wir im Alltag. Über-  Ich stimme JA, bevor aus Veränderung
            ab. Alles Einzelfälle, alles ohne Zu-  zu vermitteln, geben wir auf, wofür wir     füllte  Züge,  verstopfte  Strassen,  stei-  Verlust wird.
            sammenhang, sagen sie. Falsch! Zu-     sehr lange Zeit gekämpft und uns en-        gende Mieten und ganze Landschaften  Ich  stimme  JA,  weil  wir  jetzt  handeln
            sammen ergibt sich ein Bild, das wir  gagiert haben. Absolut unverständ-           die verschwinden.                       müssen, nicht später.
            ernst nehmen sollten. Wenn wir be-     lich ist, dass die Linken und die noch
            ginnen, Minderheiten bis ins kleinste  linkeren Grünen ‒ und das zurecht ‒
            Detail zu verhätscheln, bedeutet dies  auf Gleichstellung von Mann und Frau
            letztlich, dass sich die (noch) Mehrheit  beharren, bei zugewanderten Kultu-            Gemeinsam für pragmatische
            unterzuordnen und anzupassen hat.  ren aber auf beiden Augen blind sind.
            Ein gefährlicher und gleichzeitig trau-  Üble Beispiele gibt es in Europa ge-
            riger Trend.                           nug. Wir könnten davon lernen und                Lösungen statt Symbolpolitik
            In einer Anfrage im Grossen Rat habe  müssten gewarnt sein. Man denke nur
            ich den Regierungsrat gebeten, Stel-   an Ballungszentren in Frankreich und      Für die Abstimmung vom 14. Juni 2026  Das Komitee anerkennt die Bedeutung
            lung dazu zu nehmen. Seine Antwort  Deutschland, in denen dies längst zur        über  die  Volksinitiative  «Bildungsquali-  einer hohen Bildungsqualität. Es hält je-
            hat mich gefreut. Der Regierungs-      bitteren Realität geworden ist, dass      tät sichern – JETZT» hat sich im Kanton  doch fest, dass die zentralen Anliegen
            rat erwartet, dass Schulen lokale und  fremde Gepflogenheiten und Kulturen       Aargau ein breit abgestütztes, überpartei-  der Initiative im Kanton Aargau bereits
            Schweizer Traditionen, Feste und Ge-   zunehmend dominanter werden. Fak-         liches Komitee gebildet. Vertreterinnen  heute gesetzlich verankert sind und poli-
            bräuche sowie Speisen pflegen und  ten und Beispiele zeigen uns auf: Wir         und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und  tisch breit unterstützt werden. Eine zu-
            erlebbar machen. Er anerkennt deren  haben eine hohe Zuwanderung, aber           Gesellschaft setzen sich gemeinsam für  sätzliche Verankerung in der Kantons-
            verbindende Funktion. Weiter stellt  es kommen nicht nur Ausländer zu uns,       ein Nein zur Initiative ein. Das Komitee  verfassung bringt keinen konkreten
            er klar, dass in Schulen und Lagern  es werden für uns fremde Kulturen im-       vereint Stimmen aus unterschiedlichen  Mehrwert. Aus Sicht des Komitees lassen
            grundsätzlich nach hiesigen Gepflo-    portiert, die all das infrage stellen, was   politischen Lagern und Organisationen  sich die bestehenden Herausforderungen
            genheiten gekocht wird. Aus der Glau-  die Schweiz ausmacht.                     und unterstreicht damit, dass die Ableh-  im Bildungsbereich nicht durch zusätz-
            bens- und Gewissensfreiheit kann kein                                            nung der Initiative breit getragen ist.   liche Verfassungsbestimmungen lösen.
            Anspruch abgeleitet werden, dass ge-   Es geht um unsere Werte: Und die sind     Die Initiative verlangt, die Bildungsqua-  Entscheidend sind konkrete, umsetzbare
            nerell nur noch Essen angeboten wird,  mir nicht wurst.                          lität als Verfassungsauftrag festzuschrei-  Massnahmen innerhalb des bestehen-
            welches den religiösen Vorschriften                                              ben und Kanton sowie Gemeinden zu  den rechtlichen Rahmens. Urs Widmer,
            widerspricht.                                                                    verpflichten, eine flächendeckend hohe  Kampagnenleiter des Komitees, hält fest:
            Oder einfacher gesagt: Wer etwas                                                 Unterrichtsqualität sowie genügend qua-   «Die Bildungsqualität ist im Aargau un-
            nicht essen will, kann sein eigenes                                              lifiziertes Personal sicherzustellen. Zu-  bestritten und bereits gut geregelt. Die
            Menü mitbringen.  Es  geht  nicht  an,  Ihre Meinung zu diesem Thema inter-      dem  soll  die Arbeit  der  Lehrpersonen  Initiative schafft keine Lösungen, son-
            dass uns Minderheiten ihre importier-  essiert uns. Schreiben Sie per Mail an:   stärker auf den Unterricht und weniger  dern vor allem neue Erwartungen und
            ten Eigenarten aufdrängen.             schoop@aargauerwoche.ch                   auf administrative Aufgaben ausgerich-    Unsicherheiten.»                                        pd
                                                                                             tet werden.                                                  www.agvkomitee.ch
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