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Dienstag, 14. Mai 2024  |  KW 20  |  25. Jahrgang  |  Inserateannahme: 062 823 83 88  |  Redaktion: 062 822 07 70  |  info@badenerwoche.ch  |  www.badenerwoche.ch

                             SCHWEIZER                                   HONIG- UND                                  SILVAN BRAUEN
                             VORLESETAG                                  WILDBIENEN

                             Die Bundesrätin Elisa-                      Die Sonderausstellung                       Der Co-CEO der Rivella-
                             beth Baume-Schnei-                          «Honigbienen und ihre                       Group in Rothrist über
                             der ist unter anderem                       wilden Verwandten»                          die nachhaltige Strate-
                             Botschafterin für den                       in der Umwelt Arena                         gie der innovativen Ge-
                             Schweizer Vorlesetag                        Spreitenbach gibt Ein-                      tränkeproduzentin.
                             am 22. Mai.                                 blick in die faszinierende
                                                                         Insektenwelt.
                    SEITE 9                                    SEITE 15                                     SEITE 16



                           «Kostenbremse-Initiative ein Eigentor!»




          Dr. med. Stephan Steiner, Facharzt FMH für Allgemeine Innere                                                                         gauische Gesundheitsversor-
          Medizin und Geschäftsleitungsmitglied des Aargauischen Ärz-                                                                          gung und wo liegen die grossen
          teverbandes, kennt das Gesundheitswesen und weiss, wo es im                                                                          Herausforderungen?
          Argen liegt. Die Initiative «Für tiefere Prämien – Kostenbremse                                                                      Die Aargauische Gesundheits-
          im Gesundheitswesen» würde die jetzt schon angespannte Si-                                                                           versorgung ist meiner Meinung
          tuation nur noch verschärfen und ist für Ärzte wie auch Pa-                                                                          nach sehr effizient, ist aber auf-
          tienten eine Einbahnstrasse. Er zeigt hier auf, wieso es nicht                                                                       grund der chronischen Überlas-
          funktioniert, Kosten des Gesundheitswesens an die allgemeine                                                                         tung in einem äusserst labilen
          Teuerung zu koppeln.                                                                                                                 Zustand. Das System läuft kon-
                                                                                                                                               stant am Anschlag, der Frust ist
          Sie sind Facharzt FMH für Allge-  freien Markwirtschaft ausgelie-                                                                    verständlicherweise vielerorts
          meine Innere Medizin im Doktor  fert sind, was Löhne der Mit-                                                                        aufgrund der genannten Verän-
          Zentrum in Wettingen. Wie hat  arbeiterinnen und Mitarbeiter,                                                                        derungen gross bis sehr gross.
          sich die Gesundheitsbranche in  Miete, IT- und Energiekosten                                                                         Es gibt Umfragen unter Ärztin-
          den letzten zehn Jahren verän-   anbelangt. Einen Teuerungsaus-                                                                      nen und Ärzten, in denen über
          dert?                            gleich bei den Einnahmen ken-                                                                       50 Prozent der Befragten ange-
          Dr. med. Stephan Steiner: In  nen wir nicht, müssen ihn aber                                                                         ben,  an  Burnout-Symptomen
          den letzten zehn Jahren sind für  bei den Ausgaben mitmachen.                                                                        zu leiden. Dies ist beängstigend.
          mich einige Tendenzen wahr-      Der Taxpunktwert ist im Aargau                                                                      Die aktuelle Polemik mit dem
          nehmbar. Zum einen der zuneh-    seit 2007 unverändert.                                                                              «Doctor-Bashing» hilft hier ganz
          mende «Druck», Patientinnen  Die administrativen Aufwände                                                                            sicher nicht!
          und Patienten ohne hausärztli-   haben spürbar zugenommen,
          che Betreuung neu aufnehmen  sei es bei Rückfragen/Rechtfer-                                                                         In welche Richtung entwickelt
          zu müssen, damit die Notfall-    tigungen  für  Therapien  gegen-                                                                    sich unser Gesundheitswesen,
          stationen  nicht  mit  Bagatellen  über den Krankenkassen, neuen                                                                     im Speziellen die Hausarztpra-
          überfüllt werden. Durch den  behördlichen Auflagen (Daten-                                                                           xen?
          Mangel an Ärztinnen und Ärz-     schutzgesetz, Sicherheitskon-                                                                       Die Hausarzt-, Kinder- und Ju-
          ten in der Grundversorgung  zepte, Elektronisches Patien-                                                                            gendmedizin- und Psychiatrie-
          (Hausarztmedizin, Kinder- und  tendossier, Qualitätsnachweise/                                                                       praxen sind an letzter Stelle
          Jugendmedizin und  Psychiat-     Zertifizierungen).Schliesslich                                                                      der «Nahrungskette», obwohl
          rie) gibt es viele Patientinnen  ist seit der COVID-19-Pande-                                                                 Bild: zVg  unsere Arbeit nachgewiesener-
          und Patienten, die keine andere  mie auch eine veränderte Erwar-  Dr. med. Stephan Steiner: «Die Kostenbremse-Initiative führt dazu, dass wir   massen die kostengünstigste Art
          Anlaufstelle als die Notfallstatio-  tungshaltung der Bevölkerung  zwar gleich viel für die Grundversicherung bezahlen, jedoch weniger dafür er-  der medizinischen Versorgung
          nen haben.                       an die medizinische Versorgung  halten, selbst bezahlen müssen oder die Behandlungen verzögert erfolgen.»  darstellt. Wir können in unse-
          Daneben kämpfen wir seit Jah-    wahrzunehmen:  Vor  zehn  Jah-                                                                      ren Praxen bekannterweise 80
          ren  um  die  Einführung  eines  ren erfolgte ein Arztbesuch auf-  mehr Patientinnen und Patien-    als schlimm oder harmlos einzu-  bis 90 Prozent der Probleme ab-
          neuen Tarifsystems (TARDOC),  grund von Symptomen mit ent-        ten müssen abgeklärt werden  stufen ist, ist für viele Menschen  schliessend lösen. Trotz Veran-
          welches flexibler auf die Ent-   sprechenden Abklärungen zum  mit entsprechender Kostenfolge.  ohne medizinisches Fachwissen  kerung der Sicherstellung einer
          wicklungen reagieren kann, als  Ausschluss einer Erkrankung.  Die Unsicherheit bezüglich Ein-       nicht möglich.                   Grundversorgung in der Bun-
          das überaltete momentane Ta-     Heute erfolgen Arztbesuche häu-  ordnung von Symptomen/Be-                                          desverfassung (Abstimmung
          rifsystem (TARMED). Der Kos-     fig ohne Symptome, es soll si-   schwerden nimmt zu – und dies  Sie verfügen über 18 Jahre Er-      2014) ist hier noch viel zu we-
          tendruck in der Grundversor-     chergestellt werden, dass keine  trotz  zunehmender  Verfügbar-    fahrung in Ihrem Beruf und  nig geschehen.
          gung  steigt,  da  wir  in  einem  Erkrankung vorliegt. Die Ab-   keit von Informationen im Inter-  kennen die Gesundheitsbran-
          tariflich regulierten Umfeld der  klärungen sind jeweils dieselben,  net. Die Gewichtung, ob etwas  che. Wie effizient ist die Aar-              Fortsetzung Seite 3








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