Page 3 - Brugger Woche - KW 18 - 2024
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DIENSTAG, 30. APRIL 2024 SEITE 3
FORTSETZUNG
Mit spitzer Feder …
Zufall –
ein Wink Gottes?
Bild: zVg
Nur wer privat bezahlen kann, die Regulierungsflut und führt weil die Behandlungen aufwän-
wird sich weiterhin jederzeit auf zu einem trägen Gesundheits- diger werden. Durch gute und Glauben Sie an den Zufall? Ich folgreiche Menschen haben eine
eine hohe Qualität und einen system in dem immer mehr die schnelle Behandlungen können habe mir diese Frage schon oft gewisse Offenheit für «Zufälle»
rechtzeitigen Zugang zu notwen- Administration statt der Patien- Menschen aber schneller wie- gestellt und beschäftige mich im- und nutzen sie konsequent. Der
digen Behandlungen verlassen tinnen und Patienten im Vor- der in ihr Arbeitsleben zurück- mer wieder mit dem Unabwägba- Punkt ist, was man aus den Un-
können. Es ist klar, die Initiative dergrund stehen. kehren und ihre sozialen Rollen ren. Von Zufall spricht man, wenn wägbarkeiten macht, die das Le-
führt zu willkürlicher Rationie- wahrnehmen. Dies bringt nicht für ein einzelnes Ereignis oder das ben so mit sich bringen.
rung und Zweiklassenmedizin. Massiv betroffen vom Kosten- nur Lebensqualität, sondern Zusammentreffen mehrerer Ereig-
deckel wäre wohl auch das Ge- spart Kosten für Invaliden und nisse keine kausale Erklärung ge- Napoleon Bonaparte meinte: «Der
Die Kostenbremse ist unehr- sundheitspersonal? Hinterbliebenenrenten, Pflege funden werden kann. Wenn wir im Zufall ist der einzig legitime Herr-
lich, verkauft wird uns die Katze Die Gesundheitskosten sind und vieles mehr. Alltag vom Zufall sprechen, so of- scher des Universums.» Ich sehe
im Sack! hauptsächlich Lohn und Perso- fenbaren wir damit tatsächlich oft es eher wie Albert Schweitzer: «Der
Die Kostenbremse gibt ein Kos- nalkosten, wobei das Pflegeper- Ergo – diese Kostenbremse In- unsere eigene Unkenntnis. «So ein Zufall ist das Pseudonym, das der
tenziel vor, aber keine Lösun- sonal die grösste Gruppe aus- itiative schadet unserem Ge- Zufall Dich hier zu treffen», rufen wir liebe Gott wählt, wenn er inkog-
gen, wie es erreicht wird. In macht. Die «Kostenbremse» sundheitssystem mehr als dass jemandem Bekannten in der Fuss- nito bleiben will.» Für mich sind die
Tat und Wahrheit werden mit erhöht den Kostendruck für sie nützt? gängerzone zu. Das ist ein nicht- göttlichen Mächte mein Kompass
der Kostenbremse Initiative diese Beschäftigten und wider- Ja. Es stellt sich die Frage wol- objektiver Zufall. Zunächst haben und sie führen und unterstützen
willkürlich Leistungen aus der spricht der Pflegeinitiative. Der len wir in Kauf nehmen, dass das wir tatsächlich ein seltenes Ereig- mich, und deshalb gibt es für mich
Grundversicherung unabhän- Sparzwang verstärkt den Fach- Gesundheitssystem schlech- nis, denn in den meisten sonsti- keinen «Zufall». Denn über den Zu-
gig vom Bedarf begrenzt. Wäre kräftemangel im Gesundheits- ter und dennoch nicht günsti- gen Fällen treffen wir diese Person fall nachdenken bedeutet letztend-
die Kostenbremse Initiative im wesen und führt zu Versor- ger wird? Wollen wir lange War- vermutlich nicht in der Fussgän- lich, nicht nur lebensnahe, sondern
Jahr 2000 eingeführt worden, gungsengpässen. tezeiten für Therapien? Wollen gerzone. Gleichzeitig aber ignorie- zutiefst philosophische Fragen zu
wäre heute über ein Drittel der wird, dass Leute mit Beziehun- ren wir die Wirkketten. Fragen wir berühren. Das, was wir denken
Leistungen der Grundversiche- Was wären die Folgekosten der gen oder Geld eine bessere Me- uns selbst, warum wir gerade jetzt, (Ursache), manifestiert sich in un-
rung ohne Versicherungsde- Kostenbremse? dizin erhalten? Ich beantworte zu dieser Zeit an diesem Ort sind, serer Realität und tritt in Erschei-
ckung. Dies trifft vor allem die Kranke Menschen erhalten diese Fragen klar mit Nein, diese so finden wir eine plausible Erklä- nung (Wirkung). Gedanken sind
Menschen, die auf eine solida- durch die Kostenbremse die Initiative hat grosses Schadens- rung. Beispielsweise ein Termin, zu wie Magnete, die entsprechende
risch finanzierte Gesundheits- notwendigen Behandlungen gar potenzial. dem wir unterwegs sind, und der Auswirkungen anziehen. Dieses
versorgung angewiesen sind. nicht oder erst verspätet. Das schon seit Tagen so geplant ist. Prinzip wurde übrigens schon in
kann die Kosten sogar erhöhen, Interview: Corinne Remund Unser Gegenüber kann vermutlich den geistigen Schriften aller Religi-
Das Gesundheitswesen ist jetzt eine ähnliche Wirkkette berichten. onen beschrieben. Und auch der
schon stark reguliert. Mit die- Ein uns übergeordneter Beobach- Volksmund kennt es: «Wie man in
ser Kostenbremse würde es NEIN-Komitee ter würde also sagen: «Das habe den Wald hineinruft, so schallt es
noch stärke beschnitten. Wie Bis heute gehören dem Komitee folgende Organisationen an: ich seit Tagen kommen sehen.» zurück!» Jeder bekommt zurück,
sehen Sie das? • Schweizerischer Verband der Berufsorganisationen im Ge- Fazit: Jede Ursache hat ihre Wir- was er an Gedanken, Gefühlen
In den letzten 20 Jahren wurde sundheitswesen (svbg) kung. Jede Wirkung hat ihre Ursa- und Taten ausgesandt hat. Dies
das Krankenversicherungsge- • Spitex Schweiz che. Alles geschieht gesetzmäs- geschieht nicht zufällig.
setz 44-mal revidiert. Die Kos- • Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe) sig. Ursache und Wirkung können
tenentwicklung im Gesund- • Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pfle- zeitlich weit auseinanderliegen – Unsere Gedanken und Gefühle
heitswesen erfolgte nicht, weil gefachmänner (SBK) daher ist uns die Ursache vieler Er- der Freude und Fülle erzeugen
keine Massnahmen ergriffen • Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) scheinungen nicht klar. Dann mei- genau dies: Freude und Fülle. Und
worden wären. Im Gegenteil: • Schweizer Physiotherapie Verband (Physioswiss) nen wir, es sei ein «Zufall». Oder unsere Gedanken des Mangels
Die zunehmende Bürokratie • Foederatio Medicorum Chirurgicorum Helvetica (FMCH) wie es der weltbekannte Physiker erzeugen Mangel in unserem Le-
frisst immer mehr Ressourcen. • Schweizer Dachverband der Ärztenetze (medswissnet) Albert Einstein ausdrückte: «Das, ben. Die Erscheinungen in unse-
Die Kostenbremse Initiative ist • Die Spitäler der Schweiz (H+) wobei unsere Berechnungen ver- rem Umfeld, die daraus resultie-
ein Paradebeispiel für hohe Re- • Schweizerischer Apothekerverband (pharmaSuisse) sagen, nennen wir Zufall.» ren, sind deshalb KEINE Zufälle!
gulierungsfolgekosten. Jähr- • Schweizerisches Konsumentenforum (kf) Mittels unseres freien Willens ent-
lich müssten neue administ- Doch der Zufall macht vielen Men- scheiden wir, welche Ursachen wir
rative Massnahmen eingeführt www.nein-zur-kostenbremse.ch schen Angst – weil es nach un- setzen wollen, um eine bestimmte
werden. Die Initiative fördert kontrollierbarem Chaos tönt. Wirkung zu erzielen. Bewusst-
Denn wir brauchen Routinen, so seinsentwicklung und geistiges
sind wir gebaut. Unser Gehirn Wachstum sind nur möglich, wenn
Neues First-Responder-System erfolgreich gestartet funktioniert als Filter, der die un- wir verstehen, welche Auswirkun-
erschöpfliche Mannigfaltigkeit gen unser Denken und Handeln
des Seins in handhabbare Häpp- hat. Wir erschaffen unsere Realität
Seit dem 1. Februar 2024 registriert, müssen jedoch noch mit in der Statistik integriert. chen unterteilt, und mit Klischees bereits die ganze Zeit nach diesem
gibt es im Kanton Aargau ein die obligatorische Einführungs- Mit dem neuen First-Respon- und Schablonen die allzu wilde Prinzip – die Auswirkungen sind
First-Responder-System zur schulung absolvieren. der-System beträgt die durch- Welt bewohnbar macht. Ande- uns nur (noch) nicht voll bewusst.
flächendeckenden Erstver- schnittliche Interventionszeit rerseits fangen wir an zu verküm- Das nächste Mal, wenn wir etwas
sorgung im Falle eines Herz- Fast 400 Alarme ausgelöst aktuell 5 Minuten und 35 Se- mern, wenn Routinen unser einzi- für «Zufall» halten, oder wenn wir
Kreislauf-Stillstands. Knapp Die alarmierten First Respon- kunden. Diese wird mit zuneh- ger Kontakt zum Leben werden. hören, wie jemand anderes etwas
drei Monate nach dem Start der sind oft schneller vor Ort mender Anzahl zugelassener Öffnet man dem «Zufall» die Tür, «Zufall» nennt, halten wir inne. Und
sind über 860 Personen als als der Rettungsdienst und kön- First Responder weiter sinken. dann können aus Freundschaft, denken darüber nach, welche Ur-
Ersthelferinnen und Ersthel- nen die Zeit bis zu dessen Ein- aus Liebe oder aus purer Wut sache hinter diesen «Zufall», der
fer einsatzbereit. treffen mit basismedizinischen In anderen Kantonen sind First- weltbewegende Dinge gesche- keiner ist, stecken könnte. Dies
Massnahmen überbrücken. Seit Responder-Systeme schon län- hen. In diese Richtung gehen kann zu einer enormen Erweite-
Aktuell zählt der Kanton Aar- dem Start des Systems hat die ger etabliert. Diese machen auch die Ergebnisse von Christian rung unserer Sichtweise und ei-
gau über 1'100 Registrierungen Sanitätsnotrufzentrale (SNZ) zurzeit bei den ihnen ange- Busch, Professor in Los Angeles, nem neuen Verständnis der Welt
von Personen, die sich als First 144 über 390 Alarme für die gliederten Ersthelferinnen und der den Zufall genauer unter die und ihrer Zusammenhänge führen.
Responder in das Aargauer Ret- First Responder ausgelöst. Die Ersthelfern auf das neue Aar- Lupe nimmt und herausfindet, wie Probieren Sie es aus!
tungswesen einbringen wollen. bereits vor dem kantonalen gauer First-Responder-System man im Leben für mehr günstige
Davon sind über 860 Personen System bestehenden First-Re- aufmerksam. pd Fügungen sorgten kann. Dabei Herzlichst, Ihre Corinne Remund
alarmierbar und einsatzbereit. sponder-Gruppen sind in das hat er ein Muster festgestellt: Er- Verlagsredaktorin
Weitere rund 250 sind bereits Alarmierungssystem und so- www.ag.ch/firstresponder

