Page 7 - Brugger Woche - KW 18 - 2024
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DIENSTAG, 30. APRIL 2024 SEITE 7
ProSpecieRara-Setzlingsmarkt Wildegg Schoop
Am Wochenende vom 4. / 5. Mai findet
der ProSpecieRara-Setzlingsmarkt auf Warum das Stromgesetz
Schloss Wildegg statt. Über 500 seltene
Sorten laden zum Entdecken ein. Der ein Irrweg ist
Fixpunkt im Garten lockt jährlich über
10'000 Besucher/innen an.
Das Stromgesetz, über das wir am
Gärtnern ermöglicht nicht nur einen 9. Juni abstimmen, ist der falsche
wunderbaren Ausgleich zum hektischen Weg, um unsere Energieversorgung
Berufsalltag, sondern führt letztlich zu sichern. Es kann die Winterstrom-
auch zu leckeren Köstlichkeiten und Ab- lücke nicht beheben, führt zu einer
wechslung in der Küche. Dies trifft insbe- Verschandelung der Landschaft und
sondere auf alte, traditionelle Sorten zu. Bild: ProSpecieRara zu einem Kahlschlag unserer De-
Wer einmal eine vollreife ‘Mieze-Schind- Immer wieder ein Publikumsmagnet: der Setz- mokratie. Als überzeugter Liberaler
ler‘-Erdbeere oder eine sonnenwarme lingsmarkt von ProSpecieRara auf Schloss lehne ich diese teure bürokratische
’Green-Zebra‘-Tomate gegessen hat, wird Wildegg. Vorlage entschieden ab.
dieses Erlebnis nicht so schnell verges-
sen. Während im Handel ein gleichzei- von rund verschiedenen Bio-Gärtne- Am 9. Juni steht mit der Abstimmung
tiges Reifen, gute Lager- und Transpor- reien angeboten werden, locken zum über das Stromgesetz («Mantelerlass»)
tierbarkeit und ein homogenes Äusseres Setzlingsmarkt, sondern auch das viel- eine wichtige Entscheidung bevor. Das
gefragt sind, kann man im eigenen Gar- fältige Rahmenprogramm: Führungen Gesetzespaket zielt neben dem Ausbau
ten ganz auf Geschmack oder eine spe- durch den Schlossgarten, ein Gum- der Wasserkraft darauf ab, die Produk-
zielle Optik setzen. pischloss für die Kleinen, ein breites tion von Solar- und Windkraft zu erhö-
kulinarisches Angebot und Infostände hen. Das klingt gut, ist es doch zentral
Vom Geheimtipp zum Fixpunkt von zugewandten Organisationen run- für unsere Wirtschaft und Gesellschaft,
Fündig werden Gartenliebhabe/in- den das Erlebnis ab. Und wer in Spiel- dass wir genug Strom haben.
nen am ProSpecieRara-Setzlingsmarkt laune ist, wird am ProSpecieRara-Stand Doch diese Vorlage ist nicht das rich-
auf Schloss Wildegg. Was im Jahr 2000 fündig: Dort wartet auf Botanik-Interes- tige Mittel dazu. Wer sie genauer an-
als kleiner, eintägiger Anlass begonnen sierte ein Setzlings-Ratespiel. pd schaut, der sieht sofort: Dieses Gesetz
hat, hat sich inzwischen zu einer festen verschandelt unsere Natur und Land- Bild: © Ehrbar Photography
Grösse im Gartenjahr gemausert. Über www.prospecierara.ch/veranstaltungen schaft, es untergräbt die Demokratie Dr. Adrian Schoop ist Unternehmer
10'000 Leute strömen jedes Jahr aufs und das Subsidiaritätsprinzip, gemäss und FDP-Grossrat im Kanton Aargau.
Schloss und decken sich in diesem stim- Weitere ProSpecieRara-Setzlingsmärkte welchem politische Entscheidungen
mungsvollen Ambiente mit Raritäten ein. in der Deutschschweiz: auf der untersten möglichen Ebene –
• 11. Mai: Wil/SG, in den Gemeinden vor Ort – getroffen larpanels ausgestattet werden müssen.
Vielfältiges Angebot • 12. Mai. Weggis/LU, werden. Für Liberale stellt das Gesetz Diese Fläche erreicht bereits ein Zweifa-
Aber nicht nur die über 500 verschie- • 18. Mai: Chur, ausserdem einen wahren Albtraum dar. milienhaus. Das ist ein untragbarer Ein-
denen Gemüse-, Beeren, Zierpflanzen-, • 19. Mai: Bern Denn es handelt sich um ein bürokra- griff in die Eigentumsgarantie.
Kartoffel-, Obst- und Kräutersorten, die tisches Subventionsgesetz: Bis zu 60 Diese Solaranlagen sollen dann noch mit
Prozent der Investitions- und Projek- weiteren Fördergeldern unterstützt wer-
tierungskosten erhalten die grössten- den – entgegen den ursprünglichen Ver-
ANZEIGE teils staatlichen Stromkonzerne erstat- sprechen in der Energiestrategie 2050,
tet – vom Steuerzahler. Und wir Bürger dass diese Subventionen befristet seien
bezahlen das erst noch mit noch hö- und nicht verlängert würden. Deutlich
heren Strompreisen und der Verschan- wird: Das Stromgesetz setzt auf Biegen
delung der Landschaft. Schliesslich und Brechen die gescheiterte Energie-
leistet das Stromgesetz auch keinen strategie 2050 fort – und führt so gera-
wesentlichen Beitrag zur Sicherung dewegs in die Sackgasse.
unserer Stromversorgung im Winter –
also genau dann, wann die grössten Kahlschlag unserer Demokratie
Lücken drohen. Beinahe noch beunruhigender ist der
damit einhergehende Kahlschlag der
Drastischer Rückschritt Demokratie. Die Stimme der lokalen
für den Naturschutz Bevölkerung wird durch verbindliche An-
Das Stromgesetz operiert mit meinem ordnungen von Bund und Kantonen über-
verfassungsrechtlichen Tabubruch: Es gangen. Die Mit- und Einspracherechte
stellt das Interesse an der Stromver- von Anwohnern und Gemeinden werden
sorgung grundsätzlich über alle ande- eingeschränkt, etwa beim Bau von riesi-
ren im Prinzip gleichrangigen Interes- gen Windanlagen. Das ist ein nicht zu ak-
sen. Es steht damit in Kollision mit dem zeptierender Angriff auf die Grundprinzi-
mehrfach bezeugten Volkswillen und pien unserer Demokratie.
stellt einen drastischen Rückschritt Das Fazit drängt sich auf: Folgen wir
für den Natur- und Landschaftsschutz nicht weiter einem fehlgeleiteten Kurs!
dar. Vermehrt dürfen grosse Solar- Es gibt bessere Alternativen, um unsere
und Windenergieanlagen sogar in ge- Energiezukunft zu sichern. Bei einer Ab-
schützten Landschaften gebaut wer- lehnung des Stromgesetzes durch das
den, selbst in den wertvollsten, die im Volk erhält das Parlament die Chance,
Bundesinventar der Landschaften und eine tauglichere Vorlage auszuarbeiten.
Naturdenkmäler (BLN) aufgeführt sind, Auch sollten wir dringend diskutieren,
und das neu auch ohne Kompensati- ob das Verbot von neuen Kernkraftwer-
onsmassnahmen für Landschaftsein- ken wirklich der Weisheit letzter Schluss
griffe. Angesichts der Tatsache, dass ist. Kurz: Wir brauchen eine Strategie,
diese Projekte unsere Stromversor- die realistisch und finanzierbar ist – eine
gung im Winter nicht zuverlässig si- Strategie, die unsere Versorgungssi-
chern, ist es untragbar, die jahrzehn- cherheit gewährleistet und unsere Land-
telangen Bemühungen zum Schutz schaft bewahrt.
unserer natürlichen Umgebung auf
dem Altar eines symbolischen Klima- Am 9. Juni haben wir die Wahl. Stimmen
schutzes zu opfern. auch Sie Nein zum teuren und bürokra-
Zudem ist das Stromgesetz, wie ange- tischen Stromgesetz – und damit Nein
tönt, schlichtweg ein bürokratisches Un- zum Kahlschlag unserer Landschaft und
geheuer. Es kommt mit unzähligen Sei- Demokratie.
ten an neuen Artikeln und ergänzenden
Verordnungen daher. Für jeden Liberalen
ein Graus. Zusätzlich wird vorgeschrie- Ihre Meinung zu diesem Thema inte-
ben, dass Neubauten mit einer Gebäu- ressiert uns. Schreiben Sie per Mail an:
defläche ab 300 m2 zwingend mit So- schoop@aargauerwoche.ch

