Page 11 - Muri Woche - KW 50 - 2023
P. 11
DIENSTAG, 12. DEZEMBER 2023 SEITE 11
Freilichttheater Seetal
15-jährige Sophie spielt das Vogellisi DIE STIMME DER KMU UND DER WIRTSCHAFT
Am 8. August 2024 feiert das Freilicht-
theater Vogellisi seine Premiere auf
dem Eichberg in Seengen. Nach einem Unwürdiger
aufwendigen Casting hat Regisseur
Rolf Sommer alle Rollen besetzt. Es Zirkus
kommt zu einer einmaligen und reiz-
vollen Konstellation: Die 15-jährige
Sophie Niederberger aus Burg spielt
das Vogellisi - ihre leibliche Mutter Sa- Die Bundesratswahlen werden wie-
bine Niederberger die Mutter von Lisi. der einmal zu einem unwürdigen Zir-
kus degradiert. Treiber dieser Zer-
Im Casting war Rolf Sommer vom ersten setzung sind die etablierten Medien.
Moment an begeistert von Sophie. Un- Lüstern machen sie die Wahl in die
gläubig fragte er immer wieder nach, ob Landesregierung zu einer personen-
das mit dem Alter auch wirklich stimme. bezogenen Freakshow.
Die Bezirksschülerin aus Burg hat schon
Theatererfahrung. Jetzt erfüllt sich ein Bild: zVg Werden die bisherigen wiederge-
Traum. «Das ist eine grossartige Chance, Regisseur Rolf Sommer hat alle Rollen besetzt: wählt? Welche «Geheimpläne» wer-
die ich bekommen habe, da ich mich Die 15-jährige Sophie Niederberger aus Burg den geschmiedet, um den einen oder
später dem Schauspiel widmen möchte» spielt das Vogellisi – ihre leibliche Mutter Sa- die andere auszubooten? Können die
sagte die junge Frau an der Medienkon- bine Niederberger die Mutter von Lisi. Grünen einen Bundesrat stellen? Was Bild: zVg
ferenz am Dienstag auf dem Eichberg. wird aus dem zweiten Sitz der Mitte? ZUR PERSON:
Sie freut sich vor allem auf die Zusam- theater Vogellisi. Unterdessen sind alle Welche «wilde» Kandidaten werden Henrique Schneider ist Verleger der
menarbeit mit Rolf Sommer. «Ein sym- 22 Rollen besetzt. Theaterbegeisterte aufgestellt? Das sind alles Fragen, «Umwelt Zeitung». Der ausgebil-
pathischer und erfahrener Mann». Dass aus der ganzen Region machen mit. Rolf die man in den Zeitungen landauf und dete Ökonom befasst sich mit Um-
ihre leibliche Mutter Sabine Niederber- Sommer will bis Ende Jahr das Stück -ab lesen konnte. welt und Energie aber auch mit Wirt-
ger im Freilichttheater ihre Mutter spie- überarbeiten. Bereits im März beginnen schafts- und internationaler Politik.
len wird, kann Sophie noch immer nicht die Proben. Man merke: Diese Fragen haben
glauben. «Es erfüllt mich mit Stolz, So- keinen Inhalt. Es geht nicht um die
phie‘s Weg im Theater zu beobachten Obwohl der Vorverkauf erst am 2. De- Schweiz. Es geht nicht um die Regie-
und ein Stück begleiten zu dürfen», so zember startete, sind einige Vorstellun- rung. Es geht nicht einmal um die Fä- allem muss man sich mit Sachthe-
die ebenfalls theatererfahrene Sabine gen schon beinahe ausverkauft, wie die higkeit der einzelnen Kandidaten. Die men auseinandersetzen. Das tut sich
Niederberger. Für Rolf Sommer und den Veranstalter bekannt geben. pd Medien veranstalteten nichts ande- kein Journalist mehr an.
musikalischen Leiter Urs Erdin sind die res als ein Zirkus um Personen. In-
beiden ein Glücksfall für das Freilicht- www.freilichttheater-seetal.ch haltsleer und sensationsgeil rennen Es ist an der Zeit, dass Medienhäuser
Medien Personalgerüchten nach. Zur ihre Verantwortung gegenüber der
Not setzten sie eigene Gerüchte in Gesellschaft erkennen und ihre ethi-
ANZEIGE die Welt. schen Standards neu überdenken.
Die Sensationsgier und der Wettbe-
Die diesjährige Bundesratswahlen werb um Auflagezahlen dürfen nicht
sind kein Anlass zur politischen De- auf Kosten der Wahrheit gehen. Jour-
batte. Stattdessen werfen sie ein grel- nalisten sollten sich bewusst machen,
les Licht auf die unredliche Rolle der dass ihre Arbeit direkte Auswirkungen
Medien. In einem Klima, das von un- auf die demokratischen Prozesse hat
gebremster Sensationslust und einem und dass sie die Verpflichtung haben,
Wettlauf um die neuesten Schlagzei- die Öffentlichkeit mit genauen und re-
len geprägt ist, scheinen Medien ver- levanten Informationen zu versorgen.
gessen zu haben, dass ihre primäre
Aufgabe darin besteht, die Öffentlich- Doch zum Glück schwindet ihre
keit objektiv zu informieren. Bedeutung. Denn die Bürger der
Schweiz konsumieren immer weni-
Die gegenwärtige Medienlandschaft ger etablierte Medien. Die Medien-
ist durchzogen von fragwürdigen häuser in Zürich produzieren mitler-
Praktiken, die den demokratischen weile «Schülerzeitungen». Das fällt
Diskurs beeinträchtigen. Anstatt den den Bürgern auf. Jene im Aargau wa-
Bürgern eine faktengetreue Analyse ren nie wirklich überzeugend. Sie eig-
der politischen Landschaft zu bie- nen sich für Sport und Cervalatpromi-
ten, verstricken sich die Medien oft in nenz. Auch das fällt auf.
einem undurchsichtigen Netz aus Ge-
rüchten und Lügen. Während die etablierten Medien im-
mer unbedeutender werden, kön-
Diese Entwicklung trägt dazu bei, nen sich echte unabhängige Medien,
dass die politische Diskussion von auch soziale Medien, entwickeln. Ihre
substanzlosen persönlichen Speku- Berichterstattung ist oft Faktentreuer.
lationen dominiert wird, anstatt von Ihre Meinungen sind klar als sol-
einer fundierten Auseinandersetzung che deklariert und kommen nicht als
mit den tatsächlichen Herausforde- News transvestiert daher.
rungen, vor denen die Schweiz steht.
Also ist der unwürdige Zirkus, den die
Zum Beispiel wird keine Sekunde etablierten Medien um die Bundes-
nachgefragt, was der Bundesrat ratswahlen veranstalten eine Selbst-
gegen die Löcher in der Staats- beschäftigung. Man kann auch sa-
kasse machen will. Ob die einzel- gen: reine Selbstbefriedigung. Und
nen Leute, welche gewählt werden damit werden die etablierten Schwei-
sollen, Vorstellungen zur Migration zer Medien zu unfreiwilligen Darstel-
und zum Asylwesen haben, konnte lern einer selbst veranstalteten Por-
man nicht aus den Medien entneh- nographie und stellen sich so selbst
men. Wie soll es weiter mit der EU in die Schmuddelecke.
gehen? Was machen wir in der Mo-
bilitätspolitik?
Das Schweigen der Medien zu diesen
Fragen überrascht nicht. Um diese Ihre Meinung zu diesem Thema inte-
Fragen stellen zu können, muss man ressiert uns. Schreiben Sie per Mail
von Sensationsgeilheit abkehren. Vor an: schneider@umweltzeitung.ch

