Page 9 - Muri Woche - KW 50 - 2023
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DIENSTAG 12. DEZEMBER 2023                                                                                                                                   SEITE 9





                      Unbezahlbare Arbeit                                                      Schoop




          Soziale Projekte, Sportvereine, kul-                                                           Die Schweiz und die Eigen-
          turelle  Angebote,  Umweltorganisatio-
          nen oder Alltagsunterstützung wie die                                                  verantwortung – Zeit für mehr Mut
          Nachbarschaftshilfe leben vom Enga-
          gement unzähliger Freiwilliger. Ohne
          dieses Engagement stünde im Kanton                                                   Im 175-jährigen Jubiläumsjahr der
          Aargau vieles still.                                                                 Schweiz sieht sich die Eigenverantwor-
                                                                                               tung mit einem drohenden Bedeutungs-
          Am 5. Dezember war UNO-Tag der Frei-                                                 verlust konfrontiert. Der Schweiz, in der
          willigen. Der internationale Aktions-                                                nicht der Vorrang des Staates, sondern
          tag steht seit 1986 für die Anerkennung                                              derjenige der Bürger, der Wirtschaft und
          und Würdigung von freiwilligem Enga-                                                 der Vereine galt, droht der Abstieg in die
          gement.  Gemäss den  Zahlen  des  Bun-                                               Mittelmässigkeit. Sie vertraut nicht mehr
          desamts für Statistik engagieren sich                                                auf ihre Stärken – nicht mehr auf wirt-
          41% der Schweizer Bevölkerung in Ver-                                                schaftliche Selbstregulierung. Dafür im-
          einen, Institutionen oder informell und                                              mer mehr auf staatliche Lösungen und
          leisten  dabei jedes  Jahr 619 Millionen                                             staatliche Intervention. Unsere Gesell-
          Einsatzstunden. Diese beeindruckende                                                 schaft steht nun vor entscheidenden
          Zahl unterstreicht, dass freiwilliges En-                Bild: Fotoarchiv Jungwacht Blauring Schweiz  Fragen: Wie soll es weitergehen? Wo
          gagement ein integraler Bestandteil der  Bei der Pfadi, Jubla oder den Jungscharen set-  wollen wir hin?
          Schweizer Gesellschaft ist.              zen junge Menschen einen Grossteil ihrer Frei-
                                                   zeit für Kinder und Jugendliche ein.        Die Politik der Schweiz steht auf ei-
          Die Beweggründe für ein freiwilliges En-                                             nem liberalen Wertefundament. Dieses
          gagement sind dabei so unterschied-               Vielseitig und sozial              hat die Schweiz zu einem Erfolgsmodell
          lich wie die Freiwilligen selbst. An ers-  Andere Beweggründe, die Freiwillige oft   gemacht: Freiheit, Eigenverantwortung
          ter Stelle wird bei den Motiven jeweils  angeben: Sie wollen der Gesellschaft et-    und Fortschritt sind nicht einfache leere
          Spass und Freude an der Tätigkeit ange-  was zurückgeben und anderen Menschen        Worthülsen,  sondern  klare  Richtlinien
          geben und das Zusammenkommen mit  helfen. Die Landeskirchen gehören zu               für die Politik, die Wirtschaft, ja die Ge-
          anderen Menschen. Aber auch das Er-      wichtigen Akteuren, wenn es um insti-       sellschaft insgesamt eines erfolgreichen                    Bild: © Ehrbar Photography
          weitern der eigenen Kenntnisse spielt  tutionelle Freiwilligenarbeit geht. Luc       Landes. Es sind genau diese Werte, wel-   Dr. Adrian Schoop ist Unternehmer
          eine wichtige Rolle. Ein Ort, wo Spass  Humbel, Präsident des Kirchenrats der        che die Schweiz stark gemacht haben.      und FDP-Grossrat im Kanton Aargau.
          und das Sammeln von neuen Erfahrun-      Römisch-Katholischen Kirche im Aar-         Aufgrund der zunehmenden Anspruchs-
          gen zusammenkommen, ist die Aarauer  gau formuliert dies so: «Nächstenliebe          haltung gegenüber dem Gemeinwesen
          Kultur- und Veranstaltungsstätte KIFF.  lebt von freiwilligem Engagement, ge-        und dem Steuerzahler und dem daraus  aufsehenerregende Deregulierungs-
          Hier leisten unzählige Freiwillige regel-  rade auch in der Kirche. Da zu sein und   resultierenden Umverteilungswahn  ist  und Privatisierungspläne, so wurde in
          mässige und unregelmässige Einsätze  sich für Benachteiligte und Menschen            es umso wichtiger, den Bürger vor der  den vergangenen Jahren eine Pflege-
          bei Konzerten, Lesungen oder in der  am Rand der Gesellschaft einzusetzen,           Gier von verschiedenen Interessens-     initiative angenommen, die den Staat
          Gastronomie.                             gehört zu den Grundlagen christlichen       gruppen zu schützen.                    zu verstärkten Eingriffen in den Ge-
                                                   Denkens.» Zum UNO-Tag der Freiwilli-                                                sundheitssektor verpflichtet. Der Be-
                                                   gen ergänzt er: «Ich danke allen für ihr    Mut haben, «Nein» zu sagen              treuungsstaat ist mehrheitsfähig, die
                                                   Engagement in von der Kirche unterstüt-     Wir müssen den Mut haben, neue Lö-      Bevölkerung  staatsfreundlicher  und
                                                   zen Projekten, sei dies in der Caritas,     sungen vorzuschlagen, die beim politi-  wirtschaftskritischer geworden. Die Ab-
                                                   den kirchlich regionalen Sozialdiens-       schen Gegner zunächst Empörung aus-     stimmung über die sogenannte Kon-
                                                   ten, dem Frauenhaus oder der Notschlaf-     lösen. Wir leben in Zeiten, bei dem der  zernverantwortungsinitiative gewannen
                                                   stelle, dem Telefon 143, bei Alzheimer      Staat angeblich nicht genug für den Ein-  die Bürgerlichen nur dank dem Stände-
                                                   Aargau und in der Arbeit mit Jugendli-      zelnen tun will. Die Anspruchshaltung  mehr. Mehrere Steuervorlagen – die frü-
                                                   chen, Geflüchteten oder anderswo. Frei-     des linken Lagers, von Einwanderern  her routiniert mit dem Verweis auf dro-
                                                   willigenarbeit bereichert nicht nur die     und jüngeren Generationen ist schier  hende Arbeitsplatzverluste oder auf die
                                                   Lebenswirklichkeit der Freiwilligen und     grenzenlos. «Ich will haben, haben, ha-  grosse Bedeutung der kleinen und mitt-
                                                   der Beschenkten, sondern macht auch         ben. Ich hab' Hunger, also nehm' ich mir  leren Unternehmen im Sinn der Wirt-
                                                   das Leben in der Kirchgemeinde und Ge-      alles vom Buffet», heisst es auch im letz-  schaft ausgegangen wären – gingen
                                                   sellschaft bunter und lebenswerter.»        ten Nr. 1 Sommerhit «Wildberry Lillet».  bachab.
                                                                                               Die liberale Wirtschaftspolitik wird voll-
                                                          Unzählige Möglichkeiten              ständig diskreditiert, obwohl eine attrak-  Für den Erfolg und die Umsetzung libe-
                                        Bild: Reusspark
                                                   Freiwilliges Engagement im Kanton Aar-      tive Standortpolitik heute so entschei-  raler Lösungen ist eine effektive Zusam-
          In Alters- und Pflegeheimen leisten viele Frei-  gau ist vielseitig und betrifft einen Gross-  dend ist wie nie zuvor. Kein Wunder  menarbeit im bürgerlichen Lager uner-
          willige  unbezahlbare  Arbeit.  Denn  sie  haben   teil  der  Bevölkerung,  sei  es  als  Nutz-  also, lösen liberale Lösungsvorschläge  lässlich. Der Kompromiss am Ende einer
          Zeit für Gespräche, Spaziergänge oder ein Kar-  niessende oder Engagierte. Wer einen   regelmässig linke Protestwellen aus.   Auseinandersetzung liegt in der DNA li-
          tenspiel mit den Bewohnenden.            Gegensatz zum Berufsalltag sucht oder                                               beraler und staatstragenden Kräfte –
                                                   seine Fähigkeiten und Interessen in         Mutig sein, heisst aber auch, «Nein» zu  doch staatstragend darf nicht staats-
          «Es ist schwierig, absolute Kennzahlen  neue Projekte investieren möchte, hat        sagen, wenn es das freiheitliche Gewis-  aufblähend bedeuten. Der Kompromiss
          zu nennen, aber bei 208 Veranstaltun-    im Aargau hunderte von Möglichkeiten.       sen fordert. Es ist die vornehmste Pflicht  darf keine Position sein, sondern ist Mit-
          gen im Jahr 2022 und 34'698 Besucher/    Die nationale Plattform benevol-jobs.ch     von Liberalen Nein zu sagen, wenn et-   tel zur Durchsetzung von Freiheit und
          innen gehen wir von circa zehn Freiwil-  oder die Fachstelle benevol Aargau sind     was den liberalen Werten diametral ge-  Eigenverantwortung.
          ligen pro Veranstaltung aus, dazu kom-   hier vermittelnd tätig.                     genübersteht. Zu oft starten Bürgerliche
          men Promotion und Grafik.», so Ursula                                         pd     die Diskussion schon mit dem Kompro-    Wir stehen an einer Wegkreuzung. Das
          Byland, KIFF-Vorstandsmitglied. Sie be-                                              miss oder tragen faule Kompromisse  Jubiläumsjahr der Schweiz mahnt uns
          tont damit auch die Wichtigkeit der Frei-                                            mit. Dass wir Bürgerlichen Verantwor-   zur Besinnung auf die Grundwerte des
          willigen: «Ohne Freiwillige kein KIFF. Es         ÜBER BENEVOL AARGAU                tung übernehmen und uns gegen den  Liberalismus. Mut, Entschlossenheit
          ist ganz klar: ohne die Aktivist/innen     benevol Aargau, die Fachstelle für frei-  Wind dieser linken Anspruchs-Mentali-   und eine klare Ausrichtung auf liberale
          funktioniert der KIFF-Betrieb nicht. Sie   williges Engagement im Kanton Aargau      tät stellen, ist richtig. Denn Verantwor-  Kernthemen sind notwendig, um die
          hosten, promoten, begleiten, erfüllen      berät, vernetzt und bietet Weiterbildun-  tung für das Land übernehmen bedeu-     Schweiz wieder als starke Kraft zu eta-
          Wünsche, schenken Getränke aus, orga-      gen im Zusammenhang mit freiwilligem      tet auch, den Mut zu haben, schlechte  blieren. Nur durch konsequentes Eintre-
          nisieren Shows, kochen, erstellen Gra-     Engagement an. Die Freiwilligen-Ver-      Lösungen  zu  bekämpfen.  So  sagt  es  ten für Freiheit, Eigenverantwortung und
          fiken, Fotos und Werbematerial für den     mittlungsplattform benevol-jobs spielt    Philipp Müller, der ehemalige Parteiprä-  innovative Lösungen können wir uns ge-
          Aussenauftritt des KIFF – und sie brin-    dabei eine wichtige Rolle, denn hier fin-  sident der FDP Schweiz, jeweils richtig  gen die linke Anspruchshaltung und in
          gen das Leben und den Elan ins KIFF.       den Freiwillige und Organisationen zu-    «Der Sinn vom Freisinn ist es, Unsinn zu  einer stürmischen Welt behaupten. Tun
          Danke allen Aktivis/innen für euren Ein-   sammen. Über 140 Mitgliedsorgani-         verhindern». Das haben wir in der Ver-  wir das nicht, wird uns eines Tages vor-
          satz!»                                     sationen zählt benevol Aargau aktuell,    gangenheit zu wenig getan.              geschrieben, was wir essen dürfen, wie
                                                     darunter Pro Senectute, das Rote Kreuz,                                           wir wohnen müssen und wann wir in die
                                                     die Landeskirchen, viele Altersheime
          Das KIFF in Aarau ist nur eine unter vie-  und mehrere Städte sowie viele kleine     Niemand soll uns vorschreiben, was  Ferien verreisen dürfen.
          len Aargauer Kulturinstitutionen, denen    Vereine. benevol Aargau ist im Kanton     wir essen und trinken dürfen
          die Freiwilligenarbeit Leben einhaucht.    breit abgestützt und kann auf ein gros-   Dass die Eigenverantwortung bröckelt,
          Auch die Aargauer Museen, verschie-        ses Netzwerk zählen.                      zeigt auch ein Blick in die Geschichte  Ihre Meinung zu diesem Thema inter-
          dene Festivals, das Kinderkino Zauber-                                               der Volksabstimmungen. Gab es in den  essiert uns. Schreiben Sie per Mail an:
          laterne oder Radio Kanal K leben von der          www.benevol-aargau.ch              neunziger und den nuller Jahren noch  schoop@aargauerwoche.ch
          Kreativität der Freiwilligen.
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