Page 5 - Zofinger Woche - KW 22 - 2024
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DIENSTAG, 28. MAI 2024 SEITE 5
«Die Schweiz ist nur so stark wie ihr Milizsystem»
Neben ihrer Mehrsprachigkeit Für den aktuellen Bevölkerungs- Fabian Engel betonte immer
und der direkten Demokratie anteil der tatkräftigen Milizlern wieder: «Zwang nützt nichts.
ist auch das Milizsystem ein steht vor allem das Gemein- Man muss Anreize schaffen.»
Grundpfeiler der modernen wohl und der Spass im Vorder- Nur so könne man nachhaltig
Schweiz. Doch diese Identität grund. Für die Älteren sei zu- Milizler rekrutieren. Deswegen
ist in Gefahr, die Bereitschaft dem die Mitbestimmung und brauche es vor allem Verständ-
für Milizarbeit sinkt immer das Einbringen eigener Talente nis vom Arbeitgeber, um die
mehr. Am #TeamSchoop-An- von tragender Bedeutung. Für verschiedenen Aufgaben unter
lass im Traitafina Turnzen- die Jüngeren spiele zusätzlich einen Hut bringen zu kön-
trum Aargau in Lenzburg die persönliche Weiterentwick- nen. Jörg Sennrich fügt an: «Es
drehte sich alles um die Frage: lung eine Rolle. Doch nicht alle braucht einen Arbeitgeber, wel-
«Milizsystem, wie weiter?» dieser engagierten Milizlern sind cher den Sinn und die Leistung
auch bis zum Ende dabei. Vor al- von Milizlern sieht und unter-
Der Saal in der Kaderschmiede lem die geringe Wertschätzung stützt.» Jeanine Glarner sieht
des Turnzentrum Aargau ist von Seiten der Bürger und Me- im Milizsystem sogar einen
vollbesetzt. Vorne auf der Büh- Bild: zVg dien sei der Hauptgrund für ein Vorteil für Arbeitgeber: «Ich
nenfläche steht kein Redner- Der Grossrat und Unternehmer Adrian Schoop lud einmal mehr zum Politanlass. verfrühtes Ende dieser Arbeit. kann aus eigener Erfahrung
pult, sondern mehrere Schwe- sagen, dass miliztätige Perso-
denkästen. Im Hintergrund Milizsystems ein. Anwesend wa- weltweit auf. Dies verdankt die «Mein Leben hat gewonnen nen oftmals sehr leistungsfähig
hört man immer wieder Rufe ren die Referentin Dr. Martina Schweiz laut Unternehmer und durch die Miliz» sind, manchmal sogar mehr als
und dumpfe Geräusche. «Man Flick, Mitautorin des Buches Grossrat Adrian Schoop neben Mit den drei weiteren Gästen andere.»
muss junge Menschen dazu mo- «Milizarbeit in der Schweiz», den starken KMU und Familien- Jeanine Glarner, Fabian Engel
tivieren, in unse- sowie die drei unternehmen auch dem Miliz- und Jörg Sennrich waren drei Auch das Publikum teilte viele
rem System etwas «Personen beenden Podiumsgäste Jea- system. Doch dieses ist in Gefahr. Vertreter des Milizsystems an positive Erfahrungen mit dem
zu leisten», meint ihre Milizarbeit oft nine Glarner, Ge- In der Schweiz gibt es derzeit al- der anschliessenden Diskus- Milizsystem. Ein Besucher sagte
ein Publikumsgast aufgrund geringer meindeamman lein auf politischer Ebene knapp sion vertreten. Alle waren sich zudem: «Mein Leben hat durch
zu seiner Begleit- Wertschätzung.» Möriken-Wildegg 100'000 Milizämter und die Be- einig, dass es ohne Milizsys- die Miliz gewonnen.» Den Ab-
person. Das Turn- und Grossrätin, reitschaft für die Besetzung die- tem keine starke Schweiz gibt. schluss des spannenden Abends
zentrum Aargau in Lenzburg ist Fabian Engel, Präsident des Aar- ser Ämter sinkt. Laut Dr. Martina Besonders wichtig sei es des- krönte ein Apéro mit direktem
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der Sitz des Aargauer Turnver- gauer Feuerwehrverbands und Flick ist dies auf drei Gründe zu- halb, gute Rahmenbedingun- Ausblick in die 2000 m grosse
bandes und daher der Inbegriff Jörg Sennrich, Präsident des rückzuführen: Man engagiert gen zu schaffen, um Milizarbeit Halle des Turnzentrums Aargau.
purer Milizarbeit. Aargauer Turnverbands. sich nicht, weil man entweder besonders attraktiv zu gestal-
nicht kann (z.B. aufgrund feh- ten. Neben Amtszwang, Rück- www.adrianschoop.ch
Am 8. Mai lud das #TeamSchoop Die Schweiz ist ein erfolgrei- lender Ressourcen wie Zeit oder trittsverbot oder Entlöhnung
zu Referat und Podiumsdiskus- ches Land und weist die dritt- Schweizer Pass), nicht will oder wurden verschiedene Lösungs- Lilly Rüdel
sion zum Erhalt des Schweizer grösste Pro-Kopf-Wertschöpfung nicht gefragt wird. ansätze diskutiert. Vor allem
Interessante Diskussionen und Networking in den Hallen Bilder: Lilly Rüdel
des Turnzentrums Aargau. Adrian Schoop mit Dr. Martina Flick Witzig
Freude teilen mit der Nachbarschaft
Zusammen eine gute Zeit verbringen, die Nachbar/innen ken-
nen und miteinander reden: Das lohnt sich, denn gute Nach-
barschaft stärkt die Gemeinschaft und hilft allen. Deshalb
ruft die Freiwilligen-Fachstelle benevol Aargau die Menschen
im Kanton auf, am Freitag, 31. Mai, dem Tag der Nachbar-
schaft, ein kleines Hausfest, eine unkomplizierte Feier im
Garten oder ein Strassenfest in der Nachbarschaft zu organi-
sieren. Ziel ist es, die nachbarschaftlichen Beziehungen aktiv
zu pflegen und so zur Steigerung der Wohn- und Lebensqua-
lität aller beizutragen.
Am 31. Mai wird der Tag der ein kleines Gartenfest, einen
Nachbarschaft gefeiert – eine Apéro oder eine Dankesak-
Initiative, die vor 25 Jahren tion zu organisieren. «Schaf-
in Paris gestartet wurde und fen Sie Begegnungsmomente:
heute in verschiedenen euro- Mit der Nachbarin spazieren,
päischen Städten und vielen die Nachbarsfamilie zum Pick- Bild: Raffaela Schmid
Schweizer Gemeinden und nick einladen, Blumen ver- In Teufenthal lädt der Dorf-Treff die Bevölkerung zum gemeinsamen Essen ein.
Quartieren umgesetzt wird. teilen im Treppenhaus oder
Der Tag ist eine gute Gele- ein Spieleabend im Gemein- «Möglichst viele Aargauer/in- verteilt. Die Stadt Zofingen unkomplizierten Bewilligun-
genheit, um neue Kontakte zu schaftsraum – alles, was Nach- nen sollen an diesem Tag ak- lädt zum – bereits traditionel- gen und einer Anschubfinan-
knüpfen und bestehende Be- baren miteinander in Kontakt tiv werden – es muss ja nichts len – Brunnenbaden in der Alt- zierung von 200 Franken für
ziehungen zu vertiefen, denn bringt, entspricht dem Geist Grosses sein!» stadt und zur Rollschuhdisco Anlässe an diesem Tag. Viele
gute nachbarschaftliche Be- des Nachbarschaftstages», im Oxil, der Teufenthaler Dorf- weitere Gemeinden im Aargau
ziehungen stärken die Ge- sagt benevol-Geschäftsleiter Verschiedene Aargauer Ge- Treff organisiert ein gemein- informieren die Bevölkerung
meinschaft. Daher ruft be- Samuel Steiner. Zur Unter- meinden und Städte machen sames Essen, die Pfarrei Aa- auf digitalen Kanälen.
nevol Aargau, die Fachstelle stützung stellt benevol Aar- beim Tag der Nachbarschaft rau veranstaltet ein Picknick. pd
für freiwilliges Engagement, gau Flyer, Einladungsvorlagen mit. So werden etwa in Rhein- Auch die Stadt Olten im nahen
die Aargauer Bewohner/innen und ein Ideenblatt mit Tipps felden, Unterentfelden, Wall- Kanton Solothurn unterstützt www.benevol-aargau.ch/
auf, einzeln oder gemeinsam und Tricks zur Verfügung. bach oder im Wynental Flyer den Tag der Nachbarschaft mit nachbarschaft

